Nachhaltigkeits-Glossar
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Nachhaltigkeits-Glossar
Fachbegriffe, Abkürzungen und EU-Regulierungen für die Textilindustrie – Stand März 2026
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
A
Abfallrahmenrichtlinie (ARRL / Waste Framework Directive, WFD)EU-RECHT2025 AKTUALISIERT
EU-Richtlinie, die den Umgang mit Abfällen in der gesamten Union regelt. Die 2025 in Kraft getretene überarbeitete Fassung enthält erstmals spezifische Regeln für Textilabfälle: Ab 2025 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten separate Sammelstellen für Alttextilien einrichten. Dazu kommen Regeln zur Herstellerverantwortung (EPR), zur Sortierung vor dem Export und zur bevorzugten Behandlung sozialer Wiederverwendungsunternehmen.
Abfallvermeidung
Das Vermeiden von Abfall durch effizientere Produktions- und Logistikprozesse, langlebigeres Produktdesign und bewussteren Konsum. In der Textilindustrie umfasst das konkret: Reduktion von Verschnitt in der Konfektionierung, zirkuläres Produktdesign und den Verzicht auf Überproduktion. Gilt als oberste Stufe der Abfallhierarchie vor Wiederverwendung, Recycling und Entsorgung.
Automatisierung
Einsatz von Technologie, um Prozesse in Produktion, Logistik oder Verwaltung mit weniger manuellem Aufwand ablaufen zu lassen. In der Textilindustrie relevant für Zuschnitt, Qualitätskontrolle, Lagerhaltung und Bestellprozesse. Gut eingesetzt, verbessert Automatisierung Ressourceneffizienz und reduziert Fehlerquoten, ersetzt aber keine strategische Planung.
B
Biobasierte Materialien
Rohstoffe, die aus nachwachsenden biologischen Quellen stammen, etwa Baumwolle, Leinen, Hanf, Viskose oder biobasiertes Polyester. Biobasiert bedeutet nicht automatisch nachhaltig: Anbaubedingungen, Wasserverbrauch, Einsatz von Pestiziden und Landnutzung sind entscheidend für die tatsächliche Umweltbilanz.
Bioökonomie
Wirtschaftssystem, das auf der Nutzung erneuerbarer biologischer Ressourcen basiert, also Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen und deren Rückstände. Im Textilbereich zählt dazu die Entwicklung neuer Fasern aus landwirtschaftlichen Reststoffen oder Algen. Ziel ist es, fossile Rohstoffe schrittweise zu ersetzen.
Blauer Wandel (Blue Economy)
Ansatz zur nachhaltigen Nutzung maritimer Ressourcen, der Meeresschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung verbindet. Für die Textilindustrie relevant im Kontext von Meeresplastik als Rohstoff für recycelte Fasern (z.B. rPET aus Fischernetzen) sowie in Bezug auf Gewässerverschmutzung durch Textilfarbstoffe und Mikrofasern.
C
Circular Economy → Kreislaufwirtschaft
CMU (Circular Material Use Rate)KENNZAHL
Kennzahl, die angibt, welcher Anteil der in einer Volkswirtschaft oder einem Unternehmen verwendeten Materialien aus recycelten Quellen stammt. Je höher der CMU-Wert, desto weniger Primärrohstoffe werden verbraucht. Wird von der EU als Indikator für die Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft verwendet.
CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive)EU-RECHTOMNIBUS 2025
EU-Richtlinie zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht in der Lieferkette. Verpflichtet Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren, zu verhindern und zu beheben. Scope und Zeitplan wurden durch das Omnibus-Paket der EU-Kommission Ende 2025 erheblich angepasst: Kleinere Unternehmen sind ausgenommen, und die Fristen wurden verlängert. Finale Umsetzung in nationales Recht bis Juli 2027 erwartet.
CSR (Corporate Social Responsibility)
Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgeht. Umfasst ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Im Unterschied zu ESG ist CSR kein standardisiertes Bewertungssystem, sondern ein freiwilliger Rahmen für verantwortungsvolles Wirtschaften. Wird zunehmend durch verbindliche Berichtspflichten (CSRD) ergänzt.
CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)EU-RECHTOMNIBUS 2025
EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Verpflichtet Unternehmen ab bestimmten Schwellenwerten, standardisierte Berichte zu ESG-Leistungen zu veröffentlichen. Berichtsstandard ist ESRS (European Sustainability Reporting Standards). Das EU-Omnibus-Paket von Ende 2025 hat den Anwendungsbereich eingeschränkt und Fristen verschoben: Viele mittelgroße Unternehmen sind jetzt ausgenommen oder erhalten mehr Zeit. Betroffen bleiben vor allem große börsennotierte Unternehmen und Konzerne.
D
Deadstock
Unverkaufte Warenbestände, die nicht in den Markt gebracht werden konnten. In der Modeindustrie war die Vernichtung von Deadstock lange verbreitete Praxis. Ab 19. Juli 2026 ist die Vernichtung unverkaufter Textilien und Schuhe für große Unternehmen in der EU verboten (ESPR, Annex VII). Für mittlere Unternehmen gilt das Verbot ab 2030. Alternativen sind Spenden, Upcycling, Weiterverkauf und Recycling.
Dekarbonisierung
Systematische Reduktion von CO² und anderen Treibhausgasemissionen in Prozessen, Produkten und Lieferketten. In der Textilindustrie betrifft das vor allem Energie in der Produktion, Transportemissionen, Fasererzeugung (besonders Synthetik aus fossilen Rohstoffen) und Ausrüstungsprozesse wie Färben und Veredlung. Dekarbonisierung erfordert die Messung von Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen als Ausgangspunkt.
DAS (Digital Services Act)EU-RECHT
EU-Verordnung, die Pflichten für digitale Plattformen und Online-Dienste festlegt, insbesondere in Bezug auf illegale Inhalte, Transparenz bei Werbung und algorithmischer Empfehlung sowie Sorgfaltspflichten für sehr große Plattformen. Für Textilunternehmen relevant bei der Nutzung von Marktplätzen (z.B. Amazon, Zalando) und Social-Commerce-Kanälen.
Downcycling
Form des Recyclings, bei der das Ausgangsmaterial in ein Produkt mit geringerem Wert oder geringerer Qualität umgewandelt wird. Beispiel: Alttextilien werden zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet. Gegenteil: Upcycling. Downcycling ist besser als Deponierung, schließt den Kreislauf aber nicht.
DPP (Digital Product Passport)EU-RECHTAB 2026/2027
Digitaler Produktpass, der im Rahmen der ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) für alle in der EU verkauften Textilien eingeführt wird. Der DPP enthält maschinenlesbare Informationen über Materialien, Herkunft, Produktionsbedingungen, Pflegehinweise sowie Recycling- und Reparaturoptionen. Zugang erfolgt über einen Datenträger am Produkt, z.B. QR-Code. Zentrales DPP-Register der EU: Juli 2026. Delegierter Rechtsakt für Textilien: voraussichtlich Ende 2026 / Anfang 2027, mit 18-monatiger Übergangsfrist. Volle Pflicht für Textilien voraussichtlich ab Mitte 2028.
E
Eco-ModulationNEU
Prinzip, nach dem EPR-Gebühren (Herstellerverantwortung) nach der Nachhaltigkeit eines Produkts gestaffelt werden. Wer dauerhaftere, reparierbarere oder besser recycelbare Textilien produziert, zahlt weniger. Wer Wegwerfprodukte auf den Markt bringt, zahlt mehr. Verankert in der überarbeiteten EU-Abfallrahmenrichtlinie (2025).
EcoDesign → ESPR
EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition Directive)EU-RECHTAB SEPTEMBER 2026
EU-Richtlinie, die Verbraucher vor irreführenden Umweltaussagen schützt. Ab 27. September 2026 verbindlich anwendbar. Verbietet generische Umweltaussagen ohne Nachweis (z.B. "öko", "umweltfreundlich", "klimaneutral"), offset-basierte Klimaneutralitätsclaims und Nachhaltigkeitssiegel ohne anerkannte Grundlage. Ergänzt die UCPD (Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken) und gilt für alle B2C-Kommunikation in der EU.
End-of-Life Management (EoL)
Strategien und Prozesse für den Umgang mit Produkten am Ende ihrer Nutzungsdauer. Ziel ist es, Materialien im Kreislauf zu halten. Optionen in aufsteigender Wertigkeit: Reparatur, Wiederverwendung, Upcycling, Recycling, energetische Verwertung. Für Textilien besonders komplex durch Fasermischungen, Ausrüstungen (z.B. Beschichtungen) und fehlende Sortiertechnologien für bestimmte Materialien.
Energiewende
Übergang von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energiequellen wie Solar, Wind und Wasserkraft. Für die Textilindustrie bedeutet das vor allem die Umstellung energieintensiver Prozesse wie Nassveredelung, Färberei und Strickerei auf Strom aus erneuerbaren Quellen.
EPR (Extended Producer Responsibility)EU-RECHTAB 2025 VERPFLICHTEND
Erweiterte Herstellerverantwortung: Produzenten und Importeure tragen finanzielle und/oder operative Verantwortung für ihre Produkte über den Verkauf hinaus, bis zum Ende der Lebensdauer. Für Textilien in der EU ab 2025 verpflichtend (Waste Framework Directive): Alle Mitgliedsstaaten müssen EPR-Systeme für Textilien einrichten. Die Gebühren sollen nach Nachhaltigkeitskriterien moduliert werden (Eco-Modulation).
ERP (Enterprise Resource Planning)
Softwaregestützte Unternehmenssteuerung, die verschiedene Geschäftsprozesse wie Einkauf, Produktion, Lager und Finanzen in einem integrierten System zusammenführt. Im Kontext Nachhaltigkeit wird ERP zunehmend mit PLM (Product Lifecycle Management) und DPP-Systemen verbunden, um Materialien und Lieferkettendaten lückenlos zu tracken.
ESG (Environment, Social, Governance)
Drei-Säulen-Bewertungsrahmen für die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen: Umwelt (z.B. CO²-Emissionen, Wasserverbrauch), Soziales (z.B. Arbeitsbedingungen, Lieferkettengerechtigkeit) und Unternehmensführung (z.B. Transparenz, Korruptionsprävention). Wird von Investoren, Banken und Ratingagenturen genutzt. In der EU zunehmend durch verbindliche Berichtspflichten (CSRD) verankert.
ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation)EU-RECHTSEIT JULI 2024
EU-Verordnung, die seit 18. Juli 2024 in Kraft ist und Ökodesign-Anforderungen für ein breites Produktspektrum einführt. Kernstücke für die Textilindustrie: (1) Verbot der Vernichtung unverkaufter Textilien und Schuhe für große Unternehmen ab 19. Juli 2026; (2) Einführung des Digitalen Produktpasses (DPP); (3) Anforderungen an Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Materialgehalt. Textilien gehören zur Erstpriorität im ESPR-Arbeitsplan 2025-2030. Delegierte Rechtsakte mit konkreten Anforderungen für Textilien werden Ende 2026 / Anfang 2027 erwartet.
ESRS (European Sustainability Reporting Standards)EU-RECHT
Berichtsstandards, nach denen Unternehmen im Rahmen der CSRD ihre Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen müssen. Umfasst Standards für Umwelt (z.B. Klimawandel, Biodiversität, Wasser), Soziales (z.B. Arbeitnehmerrechte, Lieferkette) und Unternehmensführung.
EU-Textilstrategie (EU Strategy for Sustainable and Circular Textiles)EU-RECHT
2022 verabschiedetes strategisches Rahmenwerk der EU-Kommission mit dem Ziel, Textilien bis 2030 haltbarer, reparierbar, recyclingfähig und möglichst frei von Schadstoffen zu machen. Ist Grundlage für ESPR, DPP, EPR und mehrere weitere Regulierungen.
EUDR (EU Deforestation Regulation)EU-RECHT
EU-Verordnung, die sicherstellen soll, dass bestimmte Rohstoffe und Produkte nicht zu Entwaldung oder Waldschädigung beitragen. Für die Textilindustrie relevant vor allem für Viskose/Viskosefasern und Leder (Rinderhäute), deren Rohstoffketten rückverfolgbar sein müssen.
F
Fasermischungen (Blends)
Textile Materialien, die aus zwei oder mehr verschiedenen Fasertypen zusammengesetzt sind, z.B. 95% Baumwolle / 5% Elastan. Fasermischungen verbessern oft Trageigenschaften, erschweren aber das Recycling erheblich. Das ESPR wird Anforderungen an die Recyclingfähigkeit stellen, was komplexe Blends langfristig unter Druck bringt.
Fiber-to-Fiber RecyclingAKTUELL
Technologien und Prozesse, die aus Alttextilien neue Fasern herstellen, die qualitativ gleichwertig zu Primärfasern sind. Gilt als Königsweg des Textilrecyclings, ist aber technologisch und wirtschaftlich noch in der Skalierungsphase. Das ESPR fordert explizit, dass recycelter Anteil aus Textil-zu-Textil-Recycling stammt, nicht nur aus rPET-Flaschen.
Fossilfreie Energie
Energie, die nicht aus Kohle, Erdöl oder Erdgas erzeugt wird. Umfasst erneuerbare Energien (Solar, Wind, Wasser, Geothermie) sowie Kernkraft. Im Textilkontext relevant für die Scope-2-Emissionen in der Produktion: Viele Hersteller in Asien und Europa stellen auf fossilfreie Strombezüge um.
G
GOTS (Global Organic Textile Standard)
International anerkannter Standard für biologisch erzeugte Naturtextilien. Umfasst die gesamte textile Lieferkette: Anbau, Spinnerei, Weberei, Strickerei, Näherei, Druckerei und Etikettierung. GOTS erfordert mindestens 70% bio-zertifizierte Naturfasern und reguliert auch Einsatz von Chemikalien und soziale Kriterien.
Green Claims → EmpCo-Richtlinie
Green Claims Directive (GCD)PAUSIERT SEIT JUNI 2025
Ursprünglich geplante EU-Richtlinie zur Harmonisierung von Umweltkennzeichnungen und Nachhaltigkeitsaussagen. Die EU-Kommission hat im Juni 2025 die Absicht erklärt, den Entwurf zurückzuziehen. Der Hauptkritikpunkt: zu hohe bürokratische Belastung für Kleinstunternehmen. Wichtig: Das Greenwashing-Verbot kommt trotzdem, durch die EmpCo-Richtlinie (ab September 2026) und die bestehende UCPD.
GRI (Global Reporting Initiative)
Internationaler Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung. GRI-Berichte dokumentieren Leistungen und Auswirkungen eines Unternehmens in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Einer der meistgenutzten Rahmen weltweit, ergänzt zunehmend durch die verpflichtenden EU-Standards (ESRS/CSRD).
Greenwashing
Irreführende Darstellung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens, Produkts oder einer Dienstleistung gegenüber Kunden oder der Öffentlichkeit. Kann bewusst oder durch unzureichende Datenbasis entstehen. Beispiele: vage Claims wie "umweltfreundlich" ohne Belege, Nachhaltigkeitssiegel ohne Substanz, Fokus auf eine positive Eigenschaft bei gleichzeitiger Verschweigung negativer Auswirkungen. Ab September 2026 durch die EmpCo-Richtlinie stärker reguliert und mit Sanktionen belegt.
H
Human Rights Due Diligence (Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht)
Verpflichtung von Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen in ihrer Lieferkette zu identifizieren, zu verhindern und zu beheben. In Europa durch das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die EU-CSDDD geregelt. Für die Textilindustrie besonders relevant angesichts komplexer Zulieferketten in Ländern mit schwachem Arbeitsrechtsschutz.
I
Impact Investing
Investitionen, die gezielt in Unternehmen oder Projekte mit nachweisbaren positiven sozialen oder ökologischen Auswirkungen fließen, neben einer angestrebten finanziellen Rendite. Im Textilindustrie-Kontext z.B. Finanzierung von Recyclingtechnologien oder nachhaltiger Rohstoffproduktion.
Inklusion
Strukturelle und kulturelle Einbeziehung aller Menschen, unabhängig von Herkunft, Behinderung, Geschlecht oder anderen Merkmalen. Im unternehmerischen Kontext umfasst Inklusion barrierefreie Arbeitsplätze, diskriminierungsfreie Einstellungsprozesse und diversitätssensible Unternehmenskultur.
J
Just Transition (Gerechter Übergang)
Politisches Prinzip, das besagt, dass der Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft sozial gerecht gestaltet sein muss, also keine Gruppen unverhältnismäßig benachteiligen darf. Relevant für die Textilindustrie beim Umbau von Produktionssystemen: Arbeitnehmende in fossilen oder nicht-nachhaltigen Wertschöpfungsketten brauchen Umschulungs- und Unterstützungsangebote.
L
LCA (Life Cycle Assessment / Ökobilanz)WICHTIG 2026
Standardisierte Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus: von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung ("Cradle to Grave") oder zu einem neuen Produktleben ("Cradle to Cradle"). Für die EU-Regulierung (ESPR, Green Claims) zunehmend als Nachweisgrundlage gefordert. Normiert nach ISO 14040/14044.
Lieferkette (Supply Chain)
Gesamtheit aller Unternehmen, Prozesse und Transporte, die an der Herstellung und Lieferung eines Produkts beteiligt sind. In der Textilindustrie oft mehrstufig und global: Rohstoffe (Tier 4), Spinnerei (Tier 3), Weberei/Strickerei (Tier 2), Konfektionierung (Tier 1), Marke, Handel. Vollständige Transparenz über alle Stufen hinweg ist eine zentrale Anforderung des DPP und der CSDDD.
LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz)DEUTSCHLAND
Deutsches Gesetz, das Unternehmen ab bestimmten Mitarbeiterzahlen verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Vorläufer der EU-CSDDD auf nationaler Ebene.
M
Mikrofasern / Mikroplastik
Winzige Kunststoffpartikel, die bei der Wäsche synthetischer Textilien (Polyester, Nylon, Acryl) freigesetzt werden und über das Abwasser in Gewässer und Böden gelangen. Eines der drängendsten Umweltprobleme der Textilindustrie. Technische Lösungen umfassen Waschbeutel, spezielle Filter und faserreduzierende Ausrüstungen.
Mono-Materialien
Produkte, die aus einer einzigen Faserart bestehen und dadurch einfacher recyclebar sind. Gegensatz zu Fasermischungen. Werden durch kommende ESPR-Anforderungen an Recyclingfähigkeit begünstigt.
N
Nachhaltigkeitsstrategie
Langfristiges Unternehmenskonzept, das konkrete Ziele, Maßnahmen und Kennzahlen für die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit definiert. Eine glaubwürdige Strategie basiert auf Materialitätsanalyse, messbaren Zielen mit Zeitrahmen und regelmäßiger externer Überprüfung. Ohne quantifizierbare Ziele ist eine Nachhaltigkeitsstrategie in Zeiten der EmpCo-Richtlinie rechtlich riskant.
Nachhaltigkeits-Reporting (Nachhaltigkeitsberichterstattung)
Systematische Offenlegung von Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens gegenüber Investoren, Kunden und der Öffentlichkeit. Kann freiwillig (z.B. nach GRI) oder verpflichtend (CSRD/ESRS) erfolgen. Glaubwürdig ist nur ein Reporting, das auch negative Entwicklungen und Zielabweichungen transparent macht.
SDGs / Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals)
17 globale Ziele der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, darunter Klimaschutz (SDG 13), nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (SDG 12), menschenwürdige Arbeit (SDG 8) und sauberes Wasser (SDG 6). Für Textilunternehmen dienen die SDGs als Rahmen zur Einordnung eigener Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
O
OEKO-TEX
Internationales Zertifizierungssystem für Textilien. Das bekannteste Siegel, OEKO-TEX Standard 100, prüft textile Produkte auf schädliche Substanzen. Weitere Standards: OEKO-TEX LEATHER STANDARD (Leder), OEKO-TEX STeP (Produktionsstätten), OEKO-TEX RECYCLED CASHMERE. Unterschied zu GOTS: OEKO-TEX prüft hauptsächlich Schadstofffreiheit, nicht biologische Herkunft oder soziale Kriterien.
Ökobilanz → LCA
Omnibus-Paket (EU Omnibus I)DEZEMBER 2025
Vereinfachungspaket der EU-Kommission, das Ende 2025 beschlossen wurde und Änderungen an CSRD und CSDDD einführt: engerer Anwendungsbereich, längere Fristen, weniger Bürokratie. Ziel ist die Entlastung mittlerer Unternehmen bei Berichtspflichten. Ratifizierung durch den EU-Rat Anfang 2026 erwartet, Umsetzung in nationales Recht bis Juli 2027.
örE (Öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger)
Behörden oder kommunale Unternehmen, die per Gesetz für die Entsorgung bestimmter Abfallarten (z.B. Hausmüll, Sperrmüll, Alttextilien) zuständig sind. Im Kontext der EPR-Regelungen für Textilien müssen örE mit Herstellerverantwortungsorganisationen kooperieren.
P
PCR (Post-Consumer Recycled)
Material, das aus Produkten gewonnen wurde, die Konsumenten bereits genutzt und entsorgt haben, z.B. PET-Flaschen oder Alttextilien. PCR ist nachhaltiger als Pre-Consumer Recycled (Produktionsabfälle), weil echte Abfallmengen aus dem Kreislauf gezogen werden. Das ESPR verlangt bei Textilien zunehmend Nachweise über den Anteil an PCR-Material.
PES (Polyester)
Meistproduzierte Synthesefaser weltweit, hergestellt hauptsächlich aus Erdöl (PET). Hohes Gewicht in der globalen Textilindustrie: rund 54% der weltweiten Faserproduktion. Relevant in Nachhaltigkeitsdiskussionen wegen Mikroplastikfreisetzung, fossilem Rohstoffbedarf und schlechter Recyclingfähigkeit in Fasermischungen. Recycelter Polyester (rPET) ist ein wichtiger Schritt, löst aber nicht das Mikroplastikproblem.
PEF (Product Environmental Footprint)AKTUELL
EU-Methode zur Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten, basierend auf einer standardisierten Ökobilanz (LCA). Wird als Grundlage für Umweltaussagen und den Digitalen Produktpass diskutiert. Ziel: vergleichbare, wissenschaftlich abgesicherte Produktvergleiche zu ermöglichen.
PLM (Product Lifecycle Management)
Softwaregestützte Verwaltung eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus, von der Designidee bis zur Entsorgung. Wird im Kontext des DPP zum Dreh- und Angelpunkt für die Datenpflege über Materialien, Lieferanten und Produktionsprozesse.
Post-Consumer Recycled → PCR
Pre-Consumer Recycled
Recycling von Produktionsabfällen, die noch nicht beim Endverbraucher waren, z.B. Schnittabfälle aus der Konfektionierung. Weniger wertvoll als Post-Consumer Recycling, aber ein sinnvoller erster Schritt zur Abfallreduktion in der Produktion.
R
Recycling
Aufbereitung von Abfällen oder Altmaterialien zu neuen Rohstoffen oder Produkten. Im Textilbereich unterscheidet man: mechanisches Recycling (physikalisches Zerreißen der Fasern, Qualitätsverlust), chemisches Recycling (Auflösung der Polymerketten, höhere Qualität, aufwendiger) und Fiber-to-Fiber-Recycling (werterhaltendes textiles Recycling). Voraussetzung für gutes Recycling ist Sortierfähigkeit, d.h. die Materialzusammensetzung muss erkennbar und trennbar sein.
Reparierbarkeit (Repairability)ESPR-ANFORDERUNG
Eigenschaft eines Produkts, die es ermöglicht, defekte Teile einfach auszutauschen oder zu reparieren. Wird durch die ESPR als Ökodesign-Kriterium eingeführt. Für Textilien betrifft das z.B. lösbare Verbindungen, Ersatzteilversorgung und den Zugang zu Reparaturanleitungen (über DPP).
Ressourceneffizienz
Maximaler Nutzen aus minimalem Ressourceneinsatz: Energie, Wasser, Rohstoffe, Fläche. In der Textilindustrie gemessen z.B. über Wasserverbrauch pro kg Gewebe in der Nassveredelung, Energieverbrauch pro Stück in der Konfektionierung oder Verschnittquote beim Zuschnitt.
RFID (Radio Frequency Identification)
Technologie zur kontaktlosen Identifikation von Objekten via Funksignal. In der Textillogistik für Warentracking, Bestandsmanagement und Diebstahlschutz genutzt. Im Kontext des Digitalen Produktpasses (DPP) ein möglicher Datenträger neben QR-Codes und NFC-Tags.
S
Scope 1, 2, 3 EmissionenWICHTIG FÜR CSRD
Standardisierte Kategorisierung von Treibhausgasemissionen nach dem GHG Protocol: Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen. Scope 2 sind indirekte Emissionen aus bezogenem Strom und Wärme. Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette, vorgelagert (Rohstoffe, Zulieferer) und nachgelagert (Transport, Nutzung, Entsorgung). Scope 3 macht in der Textilindustrie oft über 80% der gesamten Emissionen aus.
Slow Fashion
Gegenmodell zur Fast Fashion: weniger, qualitativ hochwertigere und langlebigere Kleidung, die unter fairen Bedingungen und mit möglichst geringem Ressourceneinsatz produziert wird. Verbunden mit einem Konsummodell, das auf Reparatur, Second-Hand und bewusstem Kauf setzt.
SoC (Substances of Concern)ESPR ART. 7
Chemikalien, deren Einsatz in Produkten reguliert oder überwacht wird, weil sie schädlich für Mensch oder Umwelt sind. Das ESPR (Artikel 7) verpflichtet Hersteller, Substances of Concern über den gesamten Produktlebenszyklus zu tracken und diese Information an Recycler weiterzugeben. Betrifft z.B. PFAS (wasserabweisende Beschichtungen), Azo-Farbstoffe und bestimmte Weichmacher.
Sortierfähigkeit (Design for Sorting)
Eigenschaft eines Textilprodukts, die es erlaubt, seine Materialzusammensetzung maschinell oder manuell zuverlässig zu erkennen und nach Fasertypen zu trennen. Grundvoraussetzung für hochwertiges Recycling. Wird durch DPP-Daten (Materialdeklaration) und NIR-Sortierungstechnologien verbessert.
T
TCP (Textile Circular Protocol)
Brancheninitiative, die konkrete Handlungsempfehlungen und Standards für eine kreislaufgerechte Textilwirtschaft entwickelt. Adressiert Design, Materialauswahl, Produktionsprozesse und End-of-Life-Strategien. CMB Beratung bietet TCP-Workshops und Schulungen an.
Transparenz
Offenlegung von Informationen über Materialien, Produktionsorte, Arbeitsbedingungen, Umweltauswirkungen und Preisentstehung gegenüber Kunden, Investoren und der Öffentlichkeit. Transparenz ist sowohl ein ethisches Prinzip als auch eine zunehmend regulatorische Anforderung (CSRD, DPP, CSDDD). Fehlende Transparenz ist das größte Einfallstor für Greenwashing.
Treibhausgasemissionen (THG)
Gase wie CO², Methan (CH&sub4;) und Lachgas (N&sub2;O), die in der Atmosphäre Wärme zurückhalten und so zum Klimawandel beitragen. In der Textilindustrie entstehen sie vor allem durch Energieverbrauch in Produktion und Transport, Methanemissionen aus Tierproduktion (Wolle, Leder) und chemische Prozesse in der Nassveredelung. Messung und Reduktion nach Scope 1/2/3-Logik.
Triple R (Reduce, Reuse, Recycle)
Klassische Abfallhierarchie in drei Stufen: zuerst den Verbrauch reduzieren, dann Produkte wiederverwenden, erst dann recyceln. Im modernen Kreislaufwirtschaftsdenken ergänzt um Reparieren und Neudesign (Design for Circularity).
U
UCPD (Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken)
EU-Richtlinie, die irreführende und aggressive Geschäftspraktiken im B2C-Bereich verbietet. Wird durch die EmpCo-Richtlinie (ab September 2026) um spezifische Anti-Greenwashing-Regeln erweitert.
Umweltmanagementsysteme (UMS / EMS)
Strukturierte Systeme, mit denen Unternehmen ihre Umweltauswirkungen erfassen, bewerten und systematisch verbessern. Anerkannte Standards: ISO 14001 (international), EMAS (EU, höhere Anforderungen). Für Lieferanten in der Textilindustrie oft als Mindestanforderung in Einkaufsrichtlinien gefordert.
Upcycling
Wiederverwertung von Materialien oder Altprodukten in ein Produkt mit gleichwertigem oder höherem Wert. Im Gegensatz zu Downcycling bleibt die Qualität erhalten oder steigt. Beispiel: Alttextilien werden zu neuer Oberbekleidung verarbeitet, statt zu Putzlappen.
V
Versorgungssicherheit
Fähigkeit eines Unternehmens, seine Produktion auch bei Lieferkettenstörungen, Rohstoffengpässen oder geopolitischen Krisen aufrechtzuerhalten. In der Textilindustrie zuletzt durch COVID-19 und Suez-Kanalunterbrechungen stark thematisiert. Strategien: Lieferantendiversifizierung, Near-Shoring, Lagerhaltung kritischer Vorprodukte.
Verantwortungsvolles Beschaffen (Responsible Sourcing)
Einkaufspolitik, die neben Preis und Qualität auch Umwelt- und Sozialstandards bei der Lieferantenauswahl berücksichtigt. Umfasst Lieferantenaudits, Code-of-Conduct-Vereinbarungen, Kapazitätsaufbau bei Zulieferern und Transparenz über die gesamte Lieferkette.
W
Wasserknappheit
Einschränkung des Zugangs zu ausreichend sauberem Wasser für Produktion oder menschliche Nutzung. Die Textilindustrie ist eine der wasserintensivsten Branchen: Baumwollanbau, Nassveredelung und Färbeprozesse verbrauchen enorme Mengen Wasser und belasten Gewässer durch Chemikalieneinträge. Wasserstress-Indikatoren sind Teil von Scope-3-Berechnungen und LCAs.
Wettbewerbsvorteil durch Nachhaltigkeit
Wirtschaftlicher Vorteil, der entsteht, wenn Nachhaltigkeit nicht als Kostenfaktor, sondern als strategisches Differenzierungsmerkmal verstanden wird. Konkret: Zugang zu kapitalgebundenen ESG-Investoren, Bevorzugung bei öffentlichen Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien, Premiumpositionierung bei nachhaltigkeitsbewussten Zielgruppen und geringeres Regulierungsrisiko.
Z
Zirkuläres Design (Design for Circularity)
Produktgestaltung, die von Anfang an das Ende der Lebensdauer mitdenkt: sortierfähige Materialien, keine störenden Verbindungselemente, einfache Demontage, reparierbar. Das ESPR macht Zirkuläres Design zur gesetzlichen Anforderung für alle in der EU verkauften Textilien.
Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)
Wirtschaftssystem, das darauf ausgelegt ist, Materialien und Produkte so lange wie möglich in Nutzung zu halten und Abfall zu eliminieren. Basiert auf den Prinzipien: Abfall vermeiden durch Design, Produkte und Materialien so lange wie möglich nutzen, natürliche Systeme regenerieren. Gegenteil: Linearwirtschaft (nehmen, herstellen, wegwerfen). In der EU durch den Circular Economy Action Plan (2020) als übergeordneter Rahmen verankert.
Legende: EU-RECHT = verbindliche oder in Umsetzung befindliche EU-Regulierung | NEU = Begriff seit 2024/2025 relevant | AKTUALISIERT = Stand oder Inhalt 2025/2026 geändert
Stand: März 2026. Angaben ohne Gewähr; regulatorische Entwicklungen können sich schnell ändern. Für rechtssichere Beratung wende dich an CMB Beratung: office@cmb-beratung.com